GOTTHARD-STRASSENTUNNEL LÜFTERWECHSEL AUF ABSCHNITT 64

Im längsten Straßentunnel der Alpen gewährleisten gigantische Ventilatoren den sicheren Betrieb mit dem Austausch von über 600 000 Kubikmetern Luft pro Stunde. Alle 10 Jahre werden diese «MOTOREX-geschmierten Lungenflügel» revidiert.

Es zieht. Gewollt, denn die Luftqualität in jedem Tunnel unterliegt strengen Vorgaben. Der 1980 eröff nete Gotthard-Straßentunnel zwischen Göschenen und Airolo macht da keine Ausnahme. Mit 11 Zu- und 12 Abluftventilatoren sowie 178 Abluftklappen kann das Tunnelklima im Gotthard in jeder Situation geregelt werden. Im Normalfall geschieht dies automatisch mit Hilfe der verbauten Sensorik. Diese misst Wind, Sichttrübung, Kohlenmonoxid, Verkehr, Luftdruck und Temperatur. Überwacht und im Notfall manuell gesteuert wird die Anlage durch die Betriebs- und Einsatzzentrale in Flüelen. Bei Notfällen kann auch von der Betriebszentrale Göschenen aus agiert werden.
 

UNSICHTBAR IN DER DECKE


Die Luftkanäle sowie die Ventilatoren im 16,9 km langen Tunnel sind unsichtbar in der Tunneldecke verbaut. Für regelmäßige Wartungsarbeiten sind die turbinenartigen Ventilatoren von oben zugänglich. Dort befi nden sich auch die Hydraulikanlage für die Schaufelverstellung (Regelung Luftdurchsatz) und die Umlaufschmierung für die Rotorlager. Je nach Bautyp bringen die Ventilatoren zwischen 16 und 30 Tonnen auf die Waage. Über einen in der Tunneldecke eingebauten Brandschutzdeckel kann der jeweilige Ventilator von der Fahrbahn her ausgebaut werden. Ein Vorhaben, das nicht nur eine vollständige Tunnelsperrung bedingt, sondern auch logistisch und personell aufwändig ist.

 

ERSATZ INNERT 24 STUNDEN

Für jeden der fünf verschiedenen Ventilatortypen ist immer ein revidiertes und einsatzbereites Aggregat im Werkhof Airolo an Lager. Steht eine große Revision bevor, kommt Michael Zgraggen (Gruppenleiter Mechanik, Werkhof Flüelen) mit seinem zehnköpfigen Team zum Einsatz. Dieses Mal steht dem Ventilator des Tunnelabschnitts 64 eine Generalrevision bevor. Nach der Sperrung des Tunnels zwischen 20.00 und 05.00 Uhr entfernt ein Team von der Fahrbahn aus den Brandschutzdeckel an der Unterseite des Ventilators, während Mechaniker von oben das Aggregat ausbaubereit machen. Unter engsten Platzverhältnissen wird nach etwa 4 Stunden der knapp 30 Tonnen schwere Ventilator aus der Einbaunische abgesenkt und von einem eigens konstruierten Tieflader aufgenommen. Dieser wird durch einen Mitarbeiter mittels Laser und einer hydrodynamischen Lenkung zentimetergenau positioniert. Danach wird der beidseitig von einem 3-Achs-LKW bestückte Tieflader (Gesamtgewicht des Gespanns: über 110 Tonnen) unter Polizeibegleitung in den Werkhof Flüelen gefahren.

 

ROTORLAGER-SCHMIERUNG

Der größte Ventilator wird über einen Elektromotor mit 2920 kW Leistung angetrieben. Dabei dreht der Rotor in großdimensionierten Rollen/Kegellagern, welche sich an den Stirnseiten des Elektromotors befi nden. Da diese Lager nur im ausgebauten Zustand des Ventilators gewechselt werden können, beträgt deren Einsatzdauer stolze 10 Jahre. Extreme Temperaturschwankungen, hohe Lagerdrücke und ein feuchtwarmes Klima stellten eine schmiertechnische Herausforderung dar. Übermäßiger Verschleiß an den Lagern bewog die für den Unterhalt des Tunnels verantwortliche Baudirektion Uri, sich von MOTOREX beraten zu lassen. Nach verschiedenen Analysen konnte die Aufgabe mit dem Mehrbereichs-Industrieund -Hydraulikoel MOTOREX Corex HV 100 gelöst werden: In einem geschlossenen Kreislauf wird mit einer Schmierstoffeinspritzung das Lager von oben seitlich mit Schmierstoff versorgt. Dieser läuft über das Lager in einen Oelsumpf, wo der untere Teil des Lagers dauerhaft geschmiert und gekühlt wird. MOTOREX Corex bietet ideale Voraussetzungen für den Einsatz bei wechselhaft tiefen und hohen Temperaturen. Durch die extrem hohe Scherstabilität und den Langzeit- Korrosionsschutz ist Corex HV 100 wie geschaff en für den Einsatz im Gotthardtunnel.

 

REVISION MIT KNOW-HOW

Bis heute wurde jeder der im Gotthard-Straßen tunnel eingesetzten Ventilatoren drei Mal im Turnus generalüberholt. Diese Revisionen werden nach den Hersteller vorgaben im Werkhof Flüelen durchgeführt. Nach dem Zerlegen und Reinigen der Ventila toren werden alle beweglichen Teile ausgemessen und die Verschleißteile ersetzt. Dazu gehören auch die Lager. Selbst nach 10 Jahren Einsatz weisen diese mit der schmiertechnischen Lösung von MOTOREX kaum Laufspuren auf. «Beruhigend», meint Michael Zgraggen – seit über 25 Jahren ist er für das einwandfreie Funktionieren der Mechanik im GotthardStraßentunnel verantwortlich. Und dabei ist das Einzige, was für ihn zählt, die absolute Betriebssicherheit.

 

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