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DANIELS MINIATURMOTOREN: « ... DA STECKT MUSIK DRIN! »

Motoren faszinieren Daniel Aquilon (76) seit seiner Kindheit. Noch während seiner Lehre als Elektromechaniker baute er mit 17 Jahren seinen ersten, voll funktionstüchtigen Motor. Das Besondere daran: der Massstab 1:3. Zusammen mit dem befreundeten Bernard Bussy (74) wagte er sich auch an den legendären 180°-V12-Motor des Ferrari® 512 TR. Bis heute hat der ingeniöse Romand 25 Verbrennungsmotoren « en miniature » gebaut. MOTOREX hat die beiden besucht.

Französische Chansons laufen leise im Hintergrund, wenn Daniel Aquilon in seiner gerade mal 14 m2 grossen Werkstatt an einer Miniaturisierung arbeitet. Sein Vater war Mechaniker. Er war es dann auch, der in den 50er Jahren seinem Sohn von der Arbeit, meist an amerikanischen Motoren, berichtete. Technische Raffinessen wie hydraulischer Ventilspielausgleich und Automatikgetriebe waren damals angesagt.

SICH SELBER AUF DIE PROBE STELLEN

Noch während der Lehre zum Elektromechaniker baute Daniel mit 17 Jahren seinen ersten, funktionstüchtigen Motor: einen 1-Zylinder-4-Takter mit einem Hubraum von 25 ccm. Als Betriebsmechaniker arbeitete er danach über 25 Jahre in derselben Firma. Mit seinem grossen Talent brachte er sich überall dort ein, wo mechanische und elektrische Herausforderungen zu bewältigen waren. Dabei vollbringt er immer wieder Erstaunliches, kann er doch weder ein Ingenieurstudium noch Berufserfahrung im Prototypenbau bei einem namhaften Automobilhersteller vorweisen. Was ihn und seine Motoren befeuert, ist die reine Passion. Die Passion sich selber zu beweisen, sich selber immer wieder auf die Probe zu stellen. Dabei ist er als Person zurückhaltend und stellt sich und seine Fähigkeiten nie in den Vordergrund. Mit einfachsten Mitteln, sprich einer Ständerbohrmaschine, einem Kreuztisch mit einer Fräse und einer kleinen Drehbank, fertigt Daniel bis heute perfekt funktionierende Miniaturen. Darunter befinden sich ein Stirling-Motor, mehrere 4-Takter mit ein bis 12 Zylindern mit Boxer-, Reihen- oder V-Anordnung, ein Einzylinder Diesel oder gar ein 14-zylindriger Sternmotor.

KONSTRUKTEUR TRIFFT KOMMUNIKATOR

Durch einen Zufall lernten sich Daniel Aquilon und Bernard Bussy 2002 kennen. Damals arbeitete Daniel gerade an seinem ersten Zwölfzylinder: Es war der legendäre Ferrari® 60°-V12 des Ingenieurs Gioacchino Colombo mit je einer obenliegenden Nockenwelle pro Zylinderbank, drei Vergasern, 2-Ventil-Technik und nassem Oelsumpf. Der heiser kreischende V12 zog den bereits mit einer dichten Konzentration Benzin im Blut versehenen Bernard sofort in seinen Bann. Daraus entstand die Idee, unter dem Namen Motorconcept die motorischen Meisterwerke einem erweiterten Kreis von Interessierten zugänglich zu machen.

ERSTER ZWÖLFZYLINDER MIT 60

Fast pünktlich zum 60. Geburtstag stellte Daniel seinen ersten Zwölfzylinder fertig. Eine Sensation! Doch er machte die Rechnung ohne Bernard. Dieser hielt für seinen « Teamkollegen » bereits eine noch anspruchsvollere Motorenidee bereit: den von Mauro Forghieri konstruierten 180°-V12, der erstmals im Formel-1-Ferrari® 512 F1 (1964–1965) eingesetzt wurde. Dieser Motor sollte danach in verschiedenen Variationen von 1973 bis 1996 tausendfach die Serienmodelle 365 GT/4 BB, BB 512, BB 512i, Testarossa, 512 TR und 512 M antreiben. War beim « Colombo-V12 » die Kurbelwelle das « pièce de résistance » (schwierigste Bauteil), sollten es beim neuen 12-Zylinder die von Zahnriemen gesteuerten 4-Ventil-Zylinderköpfe und die elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung sein. Wie das grosse Vorbild hat der 512-TR-Motor auch eine Trockensumpf-Schmierung. In nur zwei Jahren fertigte Daniel in über 4000 Arbeitsstunden das Einzelstück.

EXAKT BIS INS DETAIL

Interessant ist die Aussage, dass nicht einfach alles stur im Massstab 1:3 verkleinert werden kann. Würde man z.B. die Zündkerzen, die natürlich auch selber gefertigt werden, zu stark verkleinern, könnte der Funken zwischen der Mittelelektrode und der Masseelektrode keine Strecke mehr zurücklegen. Somit entsprechen die Zündkerzen wohl optisch dem Original, sind im Massstab aber leicht grösser. Besonders faszinierend ist die ganze Kraftstoffversorgung inklusive Steuerung des flachen V12. Für die Elektronik konnte Daniel auf ein Familienmitglied aus der Dotcom-Generation zählen. Bis zu 8000 Umdrehungen pro Minute lässt sich der 6,4-PS-starke Flachmotor drehen, bis er abriegelt. Begleitet wird er dabei von einem Sound, der Seinesgleichen sucht. Doch welcher V12 von Motorconcept tönt schöner: der 60°-V12 mit Vergasern oder der eingespritzte Flat 12? Das ist wie der Vergleich zwischen Mozart und Beethoven oder Pepsi® und Coca-Cola®, also reine Geschmackssache. Sicher hingegen ist: Für Daniel und Bernard kommen nur Schmiermittel von MOTOREX in Frage.

HIER SPIELT DIE MUSIK

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