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Mini-Serie #WomenInScience Part 2

Dr. Parvin Zare ist eine Chemikerin aus dem Iran und arbeitet seit mehr als 5 Jahren für unsere Unternehmung. Wir blicken gemeinsam mit ihr hinter die Kulissen ihrer Geschichte und ihrer Arbeit bei MOTOREX.

Wir bei MOTOREX sind stolz darauf, verschiedene Wissenschaftlerinnen zu beschäftigen, die uns bei der Verbesserung und Entwicklung von Produkten höchster Qualität und der Lösung komplexer technischer Probleme unterstützen. In Teil II unserer Mini-Serie #WomenInScience sprechen wir mit Dr. Parvin Zare, einer unserer Wissenschaftlerinnen, und geben Einblicke in ihre Geschichte und ihre Arbeit bei MOTOREX.

Was war deine Motivation, Chemikerin zu werden?
Bildung war in meiner Familie schon immer sehr wichtig. In meinem Heimatland, dem Iran, ist das Leben für Frauen sehr schwierig und es gibt täglich viele Herausforderungen zu bewältigen. Ich hatte das Glück, eine aufgeschlossene Familie zu haben. Sie verstanden, dass Bildung der einzige Weg ist, um voranzukommen. Als meine Schwester und ich als Kinder gefragt wurden: «Was wollt ihr später Leben werden?», antworteten wir beide «Wissenschaftlerinnen». Wir liebten es, Zeichentrickfilme zu sehen. Ich erinnere mich aber, dass es immer Männer waren, die mit den Reagenzgläsern experimentierten und Probleme lösten. Später in der Oberstufe entwickelte ich eine Leidenschaft für organische Chemie.

Gab es Hürden auf dem Weg, Wissenschaftler zu werden?
Das ist sehr interessant. Im Iran ist die Gesellschaft sehr männerdominiert und drängt Frauen systematisch zurück. Aber es gibt viele Frauen, die an den Universitäten studieren. Die Leute kritisieren sie nicht, weil sie zur Schule gehen. Wenn man dort lebt, wird man eher in allen anderen Bereichen des Lebens herausgefordert - aber nicht wegen des Chemiestudiums. Ich erinnere mich, dass unsere Klasse ein gesundes Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern hatte. Was ich schade fand, war, dass wir nur eine einzige weibliche Dozentin in der Chemie-Abteilung an der Universität hatten. Ich denke, wir haben hier gewisse Chancen verpasst, bestimmte Bereiche der Wissenschaft auch aus einer anderen Perspektive erklärt zu bekommen. Zu meiner Überraschung bin ich auf dieses Phänomen auch in Europa gestossen. Ich denke, dass Frauen in bestimmten Bereichen der Wissenschaft immer noch unterrepräsentiert vertreten sind, besonders in Führungspositionen in Bildungsinstitutionen.

Was war der Grund, warum du den Iran verlassen hast?
Mein Beruf war einer der Gründe, warum ich nach Europa kam. Der andere war mein Traum, die Welt ausserhalb meines Landes zu sehen. Ich wollte den sozialen und rechtlichen Einschränkungen für Frauen im Iran entkommen und mich frei fühlen, mein Traumleben zu leben. Das war hauptsächlich der Beweggrund. Wenn man die Umstände in meinem Heimatland durchbrechen will, muss man jeden Tag für seine Rechte kämpfen, auch wenn man von seiner Familie unterstützt wird. Leider stösst man dabei nicht nur auf den Widerstand der Gesellschaft, sondern auch auf den des Staates.

Was fasziniert dich an deinem Beruf als Wissenschaftlerin?
Die Produktionslinie ist etwas, was mich hypnotisiert. Ich bin immer vom Produktionsprozess fasziniert. Es spielt keine Rolle was es ist. Ich mag es einfach zu sehen, dass etwas erschaffen wird. Was mir bei MOTOREX besonders gefällt, ist, dass ich den Weg des Produktes mitverfolgen kann. Ich sehe jeden Tag die Lastwagen, die für unsere Firma und unsere Kunden unterwegs sind. Ich kann auch einfach mein Labor verlassen, nach unten laufen und mit eigenen Augen sehen, wie die Produktion abläuft. Ich bin in meinem Labor nicht isoliert.

In der Chemie gefällt mir die Idee, Dinge zusammenzufügen. Meine Kreationen sind direkt anwendbar und ich habe ein schnelles Ergebnis. Wenn ich zum Beispiel anfange, etwas zu reparieren, bekomme ich nach einigen Monaten eine Rückmeldung. Es erfüllt mich, ein Teil des Prozesses zu sein. Die Maschinen, die mit unseren Produkten arbeiten, stellen die Teile her, die wir in unserem täglichen Leben benutzen. Und ein Satz wie «Oh, du bist auch ein Teil dieser Kette» ist einmalig.

Erzähl uns mehr über deine tägliche Arbeit
Ich entwickle neue Rezepturen für Metallbearbeitungsflüssigkeiten wie Schneidöle, Schleiföle und Umformöle. Ich kombiniere verschiedene Additive, je nach Anwendung. Nach einigen Laborprüfungen führen wir Feldstudien und Tests durch, um zu sehen, wie es funktioniert und was zu verbessern ist. Es ist ein Prozess der Modifizierung und Verbesserung unserer Produkte, um das beste Ergebnis zu erzielen. Ich unterstütze auch den Kundendienst. Ein weiterer Teil meiner Arbeit beinhaltet den Besuch der Kunden. Bei einem Problem finden wir heraus, ob ein bestehendes Produkt angewendet werden kann, oder ob wir ein neues, massgeschneidertes Produkt entwickeln können. Es ist interessant, mit einer Reihe von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen mit diversen Maschinen und Produkten zusammenzuarbeiten. Ausserdem verändert sich der Markt ständig. Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen, wie zum Beispiel wechselnde Rohstoffe, Optimierungen der Lieferanten, Anpassungen an neue Vorschriften und veränderte Grundölqualitäten. Weiter sind umweltfreundliche Produkte gefragter denn je. Deshalb sind wir auf der Suche nach nachhaltigeren und gesünderen Materialien. All diese Dinge haben einen grossen Einfluss auf die Produkte.

Gibt es immer noch das Vorurteil, dass die Wissenschaft ein Männerberuf ist?
Ja, es ist bestehend, aber dank bahnbrechenden Frauenrechtsaktivistinnen haben sich viele Dinge verändert. Der Informationsfluss hat sich verbessert, die Frauen werden sich ihrer Rechte bewusster und Regeln haben sich weiterentwickelt. Ich denke, es ist noch ein langer Weg, aber ich bin zuversichtlich. Vor Jahren, als Kinder gebeten wurden, jemanden aus der Wissenschaft zu zeichnen, zeichneten 99,4 % von ihnen einen Mann. Heute prägen auch Frauen die farbigen Papiere der jüngsten Generation. Leider ist es aber noch nicht die Hälfte. Wir müssen die jungen Mädchen ermutigen, an sich selbst zu glauben und klarmachen, dass sie alles werden können, was sie in ihrem Leben wollen.

Um auf die Berufswelt zurückzukommen: Jobs und Positionen sind immer noch irgendwie etikettiert und das macht es schwer, aus der Norm auszubrechen. Das Gleiche gilt auch für die Männer, auch sie sind gezwungen, sich den Normen der Gesellschaft anzupassen. Mit all diesen Vorurteilen drängen wir unsere Bevölkerung in Kategorien. Das wirkt sich auf unser Selbstverständnis und folglich auf unsere Jobauswahl aus. Es macht mich traurig im Jahr 2021, Dinge zu hören wie «Das ist nichts für Frauen».

Sollen Frauen in der Wissenschaft heute stärker vertreten sein?
Ja, ich denke schon, denn Frauen sind heute in der Wissenschaft mehr akzeptiert. Das gesellschaftliche Denken hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Um ein Beispiel zu bringen: Wir sehen heute mehr Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen in den Medien. Das macht es für die Menschen viel einfacher, sich diese Rollenveränderung in der Gesellschaft vorzustellen. Ich denke wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem man nicht das Gefühl hat, dass es einen grossen Geschlechterunterschied gibt. Es ist schön, in einer Welt zu leben, in der jeder Mensch individuelle Fähigkeiten hat. Denn wir sind auch auf diese Fähigkeiten angewiesen und deshalb muss jeder Mensch so wertgeschätzt werden, wie er ist - unabhängig von seinem Geschlecht.

Was möchtest du unserer jüngeren Generation und unseren zukünftigen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Führungskräften mit auf den Weg geben?
Wissenschaft hat kein Geschlecht. Mach deine Entscheidungsfreiheit nicht von den Vorurteilen unserer Gesellschaft abhängig.

 

- Danke Parvin für deine interessanten und aufschlussreichen Antworten.

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